Dokument vom:
18.09.2008
Pole Poppenspäler - Erläuterungen

Erläuterungen

 

 

Erläuterungen zum Novellentext

Die Seitenangaben beziehen sich auf die Reclam-Ausgabe der Novelle (Stuttgart 1980).

S. 03 Subrektor: Zweiter Lehrer an der Gelehrtenschule.
Exerzitium: schriftliche Schulaufgabe.
Nähschraube: ein hölzernes Gerät zum Befestigen am Nähtisch, das ein Nadelkissen trägt.
deputierter Bürger: Vertreter der Bürger im Stadtrat.
S. 04 Primaner-Schulbücher: Primaner ist der Besucher der letzten beiden Klassen des Gymnasiums.
S. 05 zu Gast bitten: einladen.
S. 07 Michaelis-Jahrmärkte: nach dem Erzengel Michael benannter Markt zum Ende der Ernte (29. September).
Rechenmeister: Mathematiklehrer.
Algebra-Exempel: Mathematik-Hausaufgaben.
S. 08 Dirnchen: Mädchen.
Zunftberechtigten: der Zunft (eines bestimmten Handwerks) angehöriger Gast, der besondere Rechte wahrnehmen darf.
Reputation: Ansehen.
Holzluken: Fensterläden.
S. 09 Ranzen: Schultornister, der auf dem Rücken getragen wird.
strählen: kämmen.
die Zeit verdeutschen: darauf hinweisen, wie spät es ist.
Bergamotten: Birnensorte.
S. 11 Genoveva: in der Volkssage Gemahlin des Herzogs Siegfried von Brabant, die unschuldig des Ehebruchs verdächtigt zu den wilden Tieren ausgesetzt wird. Eine Hirschkuh lebt mit ihr und dem kleinen Sohn zusammen, bis sie, nachdem ihre Unschuld erwiesen wurde, von ihrem Gemahl wieder heimgeführt wird.
S. 12 Brinnrot: feuerrot.
Tressen: Absätze auf Kleiderstoffen.
verschossen: ausgeblichen.
S. 13 Doppelschilling: Münze, ca. 10 Pfennig wert.
S. 14 Büchse: Gewehr.
S. 15 Leier: Saiteninstrument.
Talglichter: Lampen aus Tierfett.
Blechlampetten: Gehäuse, in denen die offenen Lichter brannten.
S. 17 Nankinganzug: Anzug aus einem gelb gefärbten Baumwollstoff, der seinen Ursprung in China hatte.
S. 19 ,Pole‘: Koseform von Paul.
S. 20 Haff: eine vom Meer getrennte Bucht.
Steigen: Wege.
S. 25 Foliant: großformatiges Buch.
Talar: Umhang, wie ihn Geistliche und Professoren trugen.
Magnifizenz: Anrede eines Universitätsrektors.
S. 26 Felleisen: lederner Reisesack.
S. 27 Lazarett: Krankenhaus.
bass entraten: will ich besser nicht haben.
Brudersohn: Vetter.
Lappalien: unbedeutende Kleinigkeiten.
Heere, mei Bester: sächsische Mundart: Höre, mein Bester.
S. 29 der Klock: die Uhr.
,Fauste, Fauste, in aeternum damnatus es!‘: lat., Faust, du bist in Ewigkeit verdammt!
S. 32 Heißewecken: Hefegebäck.
S. 33 Bas: oberdeutsch für Tante.
S. 39 Puppenspieler Geißelbrecht: Ein Puppenspieler dieses Namens wirkte am Ende des 18. Jahrhunderts im Raum Frankfurt und ist dort 1817 verstorben. Von ihm weiß man, dass er unter anderen Stücken auch das „Puppenspiel von Doktor Faust” aufgeführt hat.
S. 41 Weißens Kinderfreunde: Christian Felix Weiße (1726-1804) gab von 1776 bis 1782 die pädagogische Schriftenreihe „Der Kinderfreund” heraus.
Auktion: Versteigerung.
S. 42 reputierlich: ansehnlich, ehrlich.
S. 43 Haupt- und Prinzipalkasperl: die Hauptfigur im Puppenspiel.
S. 44 Heiderücken: Hügel, der mit Heidekraut bewachsen ist.
S. 45 Gabeldeichsel: Doppeldeichsel zum Einspannen eines Pferdes.
S. 46 Krammetsvögel: Wacholderdrossel, die früher als Delikatesse gerne gegessen wurde.
S. 47 Quarta: die vierte Klasse des Gymnasiums (von oben gerechnet); der Junge hatte dann einen dem heutigen Hauptschulabschluss vergleichbare Schulausbildung.
Wanderschaft: Die fertigen Gesellen waren verpflichtet, auf der Wanderschaft bei unterschiedlichen Handwerksmeistern Berufserfahrung zu sammeln. Das war auch durch strenge Zunftregeln und -gesetze genau vorgeschrieben.
S. 48 schwindsüchtige: von Tuberkulose gezeichnet.
S. 50 die Gerechtigkeit: die Meisterin hatte das Recht, 5 mal ca. drei Kubikmeter Holz im Wald zur Feuerung schlagen zu lassen.
S. 53 Landreiter: Landjäger, Polizist.
S. 54 Korporal: Unteroffizier.
Leumundszeugnis: Führungszeugnis.
S. 61 Stieg: altes Mengenmaß, 20 Stück.
S. 62 Vesperzeit: Zeit zur Zwischenmahlzeit am Nachmittag.
Vagabonden: Herumtreiber, Tagediebe.
S. 64 Harzdritteln: Münzen im Wert von ca. einer Mark.
Kremnitzer Dukaten: Ungarische Münzen von etwa zehnfachem Wert.
revidierte: brachte in Ordnung.
S. 65 Levkojen: Frühsommerblumen.
S. 66 Souffleuse: Einsagerin beim Theater.
S. 67 Wochenblättchen: ein Nachrichten- und Unterhaltungsblatt, in dem Geschäfts- und Privatanzeigen aufgegeben werden konnten.
S. 68 Kosakenwinter: Während der Befreiungskriege (1813-1815) trieben sich russische Kosaken auch in Schleswig-Holstein umher und suchten 1813/14 auch Husum heim.
Honoratioren: Ehrengäste.
Kattunfabrik: Fabrik zur Herstellung von Baumwollstoffen.
S. 69 ,Höger up, Kröpel-Lieschen! Höger up!‘: Höher hinauf, Krüppel-Lieschen!
Diskanttöne: hohe Töne (Sopran).
Schöne Minka, ich muss scheiden!: Anfang eines Gedichts nach einem russischen Volkslied von Christoph August Tiedge (1752 bis 1841).
S. 70 Soffitten: kurze Vorhänge oberhalb des Bühnenausschnitts zum Verdecken der oberen Beleuchtungskörper.
,Hurra!...‘: Hurra, Kasper ist tot, Lotte ist tot, die Komödie ist zu Ende! – „Lott ist dod” heißt es zu Beginn eines niederdeutschen Volksliedes.
zu den Worten unserer Heiligen Schrift: der Pfarrer spricht die Worte aus der Offenbarung des Johannes (NT, Kap. 14,13: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an.”

 

Zu den in den Erläuterungen und Materialien erwähnten Personen

 

Alphons Dürr (1828-1908) Verlagsbuchhändler in Leipzig.
Emanuel Geibel (1815-1884) Schriftsteller aus Lübeck, den Storm bereits als Schüler dort kennen lernte. Geibel galt seinen Zeitgenossen als bedeutender Lyriker, wird heute aber als bloßer Epigone (Nachahmer sprachlich eleganter Gedichte) angesehen.
Paul Heyse (1830-1914) im 19. Jahrhunderts viel gelesener Schriftsteller und Nobelpreisträger; Storm lernte H. in Berlin kennen und blieb ihm durch einen umfangreichen Briefwechsel freundschaftlich verbunden
Franz von Kobell (1803-1882) Wissenschaftler und Dichter (in oberbayrischem und pfälzischem Dialekt) aus München.
Julius Lohmeyer (1835-1904) Schriftsteller und Journalist, gab von 1873 bis 1893 im Verlag Alphons Dürr, Leipzig, die Zeitschrift „Deutsche Jugend“ heraus.
Paul Meyerheym (1842-1915) Genremaler, Porträtist und Illustrator in Berlin.
Eduard Mörike (1804-1875) Schriftsteller und bedeutender Lyriker aus Ludwigsburg, an dessen Vorbild sich Storm orientierte. Storm besuchte Mörike in Stuttgart und korrespondierte anschließend mit ihm.
Carl Offterdinger (1829-1889) Genremaler, Porträtist und Illustrator in Stuttgart.
Friedrich Rückert (1777-1866) Dichter des Biedermeier aus Schweinfurt, Professor für orientalische Sprachen in Erlangen und Berlin.
Georg Scherer (1824-1909) Dichter, Übersetzer und Literaturhistoriker, Professor an der Stuttgarter Kunstschule, später freier Schriftsteller in München.
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