Dokument vom:
18.09.2008
Eine Halligfahrt - Quellen und Schauplätze

Quellen und Schauplätze

 

 

Der Einfluss E. T. A. Hoffmanns, der für die Gesamtheit der Zerstreuten Kapitel von großer Bedeutung gewesen ist (vgl. Bd. IV dieser Ausgabe), ist auch in Eine Halligfahrt spürbar, vor allem in der Schilderung des Musikabends, der deutlich an Partien aus den „Kreisleriana“ erinnert; Joh. Kreisler wird sogar in der Novelle ausdrücklich genannt (Vgl. dazu Ingrid Schuster, S.217-219).
Ebenso stark, wenn nicht stärker, sind Heines Reisebilder Vorbild gewesen. Wir wissen, dass Storm sich gerade Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre erneut mit dem - von ihm seit seiner Jugendzeit verehrten - Dichter beschäftigt hat (Storm an Groth, Ende 1869: Bekenntnis zu Heine, „dem ich noch immer meine Dankgebete in die Gruft stammle“; am 9.6.1870 teilt Storm Pietsch mit, dass er intensiv „Heines Leben von Strodtmann“ liest; In einem Brief vom 5.5.1872 an Ernst verweist Storm auf Heines Reisebilder, Bd.1). Auffällig ist schon die Verwandtschaft der Stormschen „Eveline“ mit Heines „Evelina“ in der Widmung zum Buch le Grand und in den Nordsee-Bildern; auf die Ähnlichkeit der „Klabautermann“-Szenen bei Storm und Heine ist hingewiesen worden (B. Litzmann, S.430-437). Vorbild waren Heines Reisebilder für Storm aber vor allem in ihrer Erzählform. Durch sie wurde er offensichtlich dazu angeregt, einmal „anders“ zu erzählen, d.h. abwechselnd humorvolle, ironisch-sarkastische, nüchtern-berichtende und elegische Töne anzuschlagen und Sagen, Gespenstergeschichten und politische Anspielungen mit einzuflechten.
Daneben hat Storm die Müllenhoff'sche Sammlung der Sagen, Märchen und Lieder (Kiel 1845) als Quelle benutzt, z.B. für die vom Dichter überarbeitete Rungholtsage (Nr.173) und für die Sage von Martje Flors, ja sogar für eine Mitteilung, wie sie am Anfang der Novelle steht: „Einst waren große Eichenwälder an unserer Küste <...>“.
Die Landschaftsbeschreibung orientiert sich an der Wirklichkeit, an der Insel-, Hallig-, Meer- und Deichlandschaft vor Husum, ohne dass entsprechende geographische Namen genannt werden. Es ist aber offensichtlich, dass dem Dichter die Deiche des Porren- und Dockkooges vor Husum, der Heverstrom, „der von der Stadt ins Meer hinausführt“, die „nachbarliche“ Insel Nordstrand und die Hallig Süderoog mit dem dortigen Hallighaus, mit dem hinter dem Haus liegenden „Garten“ und dem „Süßwasserbehälter“ (Fething) bei der Abfassung der Novelle vor Augen gestanden haben.
Diese Begriffe werden im Novellentext blau markiert, durch einen Link erläutert und in der Regel mit einem Bild versehen.

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